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Klimawandel, Klimaschutz und nachhaltiges Bauen

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Sto-Klimaforum lud Sto am 4. April 2019 in das Oberösterreichische Kulturquartier ein und holte drei ExpertInnen auf das Podium, die sich einem der brennendsten Themen unserer Zeit widmeten: dem Klimawandel. ORF-Meteorologe Marcus Wadsak, Angela Köppl, Expertin für Energie- und Klimapolitik vom WIFO, und Universum-Dokumentarfilmer Josef Friedhuber zeichneten ein beunruhigendes Bild aktueller Klimaveränderungen – zeigten aber auch Wege auf, wie man ihnen begegnen kann. Claudia Pritz und Ewald Rauter von Sto präsentierten eine breite Palette baulicher Maßnahmen, die Schutz gegen extreme Wettersituationen bieten und Langlebigkeit garantieren.

Badewetter von Mai bis September, so viele Sonnenstunden wie noch nie, kein einziger Tag, der in Österreich überdurchschnittlich kalt war: Das klingt eigentlich fantastisch, ist aber in Wirklichkeit ein Grund zu großer Sorge. Marcus Wadsak, Meteorologe, Geophysiker und ORF-Wetterexperte, zeigte beim Sto-Klimaforum Linz bunte Grafiken, die beunruhigen und aufrütteln. In Linz selbst lag die Temperatur des letzten Jahres 2,3 Grad über dem Schnitt, das Sommerhalbjahr war mit 3,6 Grad über Schnitt das wärmste der Geschichte und die letzten fünf Jahre waren auch die wärmsten fünf Jahre weltweit. Global betrachtet ist so ein Anstieg, verursacht durch menschengemachte Emissionen von CO2 aus fossilen Energieträgern, ein massives Problem: Nicht nur dass die Korallen der Weltmeere wie im Fieber sterben, Unwetter und Extremverhältnisse, wie etwa heimische Schneemassen im März, Hochwasser oder Waldbrände durch Trockenheit, nehmen zu. Schon 2008 gab es 70.000 Menschen in Europa, die durch Hitzewellen den Tod fanden. Krankheiten wie das West-Nil-Virus können sich stärker verbreiten, da die dazugehörigen Mücken die Wärme lieben. Dennoch gibt es Stimmen, die dem Klimawandel "nicht glauben", da es ihn etwa "immer schon gegeben" habe. Was zwar stimmt, allerdings nur zu Hälfte: Die Temperaturschwankungen waren viel langsamer, sodass das Ökosystem sich darauf einstellen konnte. Und letztendlich waren die Menschen noch nicht da, als die Pole zuletzt eisfrei waren. Eloquent räumte ORF-Mann Marcus Wadsak diese klassischen Verschwörungsargumente der "Klimaskeptiker" beiseite und erklärte auf eingängige Weise, wie sich der Mensch die viel zu rasche Erwärmung der Erde selbst zuzuschreiben hat. "Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt, und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann", appellierte er an die Vernunft. "Aufhalten können wir die Erwärmung nicht mehr", sagte der Experte, "wir können sie nur verlangsamen und auf eine Größenordnung bringen, die Katastrophen ausschließt."

Klimawandel: Maßnahmen, die wirken
Maßnahmen gegen die viel zu schnelle Erwärmung der Erde müssen in mehreren Richtungen gleichzeitig greifen, betonte Angela Köppl in ihrem Vortrag. Die Expertin hat Volkswirtschaftslehre studiert und gilt als Koryphäe in Sachen österreichische und europäische Klima- und Energiepolitik. Einerseits müsse man immer mehr auf erneuerbare Energien setzen, wie es in China bereits stark der Fall ist. Andererseits stehe kontrollierter Verbrauch im Vordergrund. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den kompletten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen zu decken – ein ambitioniertes Ziel, wie Köppl betont, aber nicht unmöglich zu erreichen.

Vom Wohnhaus zum Solarkraftwerk
Nach dem Verkehr sind Raumheizung- und Kühlung die größten CO2-"Sünder" der Menschheit, zeigte Angela Köppl. Während Elektromobilität in aller Munde ist, müsse man sich ebenso auf den Bereich Wohnen konzentrieren, betonte sie. Dabei könnte sich die Art und Weise grundsätzlich ändern, wie wir unsere Wohngebäude und ihre Rolle im Energiesystem wahrnehmen: "Aus reinen Verbrauchern müssen Energiebereitsteller und Energiespeicher werden", erklärt die Expertin. Das Haus der Zukunft ist dann nicht nur Abnehmer von Strom, sondern Kraftwerk – dank Photovoltaik am Dach – und Stromspeicher – dank Akkus. Man dürfe nicht einzelne Gebäude betrachten, sondern Netzwerke von Energieerzeugern und -speichern, die flexibel auf Anforderungen reagieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt, die Reduktion des CO2-Ausstoßes, hänge in puncto Wohnen mit der Gebäudehülle zusammen, erklärte Köppl.

Die Arktis schmilzt davon
Gravierend sind die Auswirkungen der Erwärmung auch auf die Arktis, wie Universum-Dokumentarfilmer Josef Friedhuber in seinem berührenden Beitrag zeigte: 90 % des globalen Eises und 75 % des globalen Süßwassers (!) ist in der Arktis gespeichert und vom Schmelzen bedroht. "Würde alles Eis schmelzen, stiege der Meeresspiegel um 70 Meter", rechnete Friedhuber vor. Negative Auswirkungen habe die Erwärmung der Erde aber bereits jetzt auf den Lebensraum Arktis: Pinguine und See-Elefanten kämpfen um ihren Lebensraum.

Klimabewusst bauen
Thermische Sanierung und Dämmung senken den Energieverbrauch – und damit den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes. Diese Weisheit ist nicht neu: Schon in den Sechziger Jahren gab es gedämmte Gebäude, wobei Sto technologisch eine Pionierrolle einnahm. Dennoch ist der Gedanke, dass Dämmung und Energieverbrauch unmittelbar zusammenhängen, viel zu wenig in den Köpfen verankert. Sto-Experten Claudia Pritz und Ewald Rauter zeigten auf, welche konkreten baulichen Maßnahmen sich positiv auf die CO2-Bilanz eines Gebäudes auswirken können – von der gedämmten Fassade bis zur Photovoltaik am Dach. Spezielle Lösungen, die Schutz vor Extremwettersituationen bieten, rundeten den Vortrag der Sto-Experten ab.

Sto-Klimaforum Linz - Kurzinterview Marcus Wadsak

Marcus Wadsak über den Klimawandel und die Auswirkungen auf das lokale Wetter.

Film | 1:18

Sto-Klimaforum Linz - Kurzinterview Angela Köppl

Angela Köppl über Klimaziele und die neue Rolle von Gebäuden.

Film | 1:57

Sto-Klimaforum Linz - Kurzinterview Sepp Friedhuber

Universum-Dokumentarfilmer Sepp Friedhuber über die Auswirkungen der Erwärmung in der Antarktis.

Film | 1:32

Sto-Klimaforum Innsbruck - Kurzinterview Johannes Vergeiner

Der Meteorologe Johannes Vergeiner von der ZAMG Tirol gab Einblicke in das alpine Klima und informierte über Wetterentwicklungen in Tirol.

Film | 2:42