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Kontroversen rund ums Klima

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V.l.n.r.: Walter Wiedenbauer (GF Sto Ges.m.b.H.), Marcus Wadsak, Moderatorin Claudia Pritz (Sto Ges.m.b.H.), Franz Josef Radermacher.

Lösen Windräder und Fleischverzicht das Problem? Worin besteht unsere Verantwortung für den Klimawandel eigentlich genau? ORF-Wettermann Marcus Wadsak und der deutsche Klimaexperte und Informatiker Franz Josef Radermacher waren sich alles andere als einig – eine Kontroverse, die Augen öffnete und zum Nachdenken anregte.

13 Grad plus am Weihnachtsabend im Burgenland - solche Rekorde sieht Österreich in den letzten 20 Jahren regelmäßig. Jeder Sommer bringt neue Temperaturrekorde. Und das betrifft nicht nur Österreich: Marcus Wadsak, seines Zeichens Meteorologe und Geophysiker sowie ORF-Wettermann zeigte auf, die letzten sechs Jahre waren die wärmsten sechs Jahre weltweit. Katastrophen wie die aktuellen Waldbrände in Australien seien unmittelbare Folgen des Klimawandels. Der Experte räumte in seinem Vortrag mit einigen klassischen "Fake News" zum Thema Klimawandel auf. Den Klimawandel hat es tatsächlich immer schon gegeben, allerdings waren die Temperatur und der CO2-Gehalt über die letzten hunderttausend Jahre relativ stabil, während die Zahlen erst seit den 1990er Jahren überproportional nach oben schnellen. Wadsak belegte dies mit anschaulichen Grafiken, die allesamt dasselbe Bild zeigten: ein beschauliches Auf und Ab über Jahre, Jahrzehnte, sogar Jahrtausende, bis dann im Jahr 1990 der Einschnitt kommt - ab hier ging alles drunter und drüber.

Auch dass der Treibhauseffekt "in Ordnung, da natürlich" sei, ist laut Wadsak weit verbreitetes Halbwissen. Dies sei zwar korrekt, allerdings läuft das System durch unser Zutun aus dem Ruder. Fazit: Unser Handeln hat den Klimawandel verursacht und nur unser Handeln kann ihn stoppen. Und das wäre durch konkrete und konsequente Maßnahmen möglich: erneuerbare Energien, ein Umdenken im Transport und Verkehr sowie bei der Nahrung.

Fleischkonsum ist für das Klima irrelevant
Als Franz Josef Rademacher das Mikrofon übernimmt, wird schnell klar: Der Informatiker und Leiter des Instituts für Datenbanken und künstliche Intelligenz der Universität Ulm hat eine andere, wenn nicht konträre Ansicht darüber, wie wir dem Klimawandel begegnen können – und müssen. Ob man Fleisch isst oder nicht, ist irrelevant für den Klimawandel, sagte er provokant. Dasselbe gelte für Windräder und Elektroautos. Die eigentlichen Probleme macht er woanders aus: Wohlstand und Bevölkerungswachstum.

In den letzten 300 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verzehnfacht und der Wohlstand verhundertfacht, so der Experte. Wären wir alle arm, hätten wir kein Problem. Die ärmsten Länder emittieren wenig CO2, aber auch sie würden reich werden wollen – ein völlig legitimes Ziel. Nur das müsse klimaneutral passieren. Als Beispiel brachte er das Ozonloch: Die weltweite Abschaffung der FCKW-Kühlschränke hat das Problem beseitigen können. Allerdings gab es damals eine leistbare Alternative, eine große Motivation – die Angst vor Hautkrebs –, und eine starke Lobby, um den Umstieg zu finanzieren. Diese Bedingungen seien aktuell bei der Klimadebatte nicht erfüllt: Die Bedrohung ist nicht konkret genug, es gibt noch keine leistbaren und funktionierenden Alternativen zu fossilen Brennstoffen und die globalen Akteure ziehen nicht an einem Strang. Alle Probleme mit Strom zu lösen, hält der Experte ebenfalls für eine Sackgasse. Die Lösung sind synthetische, klimaneutrale Kraftstoffe, kombiniert mit Unmengen preiswertem Sonnenstrom aus den Wüsten der Welt. Technologietransfer, Kompensation von eigenem CO2-Ausstoß und sogar "Freikaufen" hält er für gerechtfertigt und einen guten Weg, dem Problem Herr zu werden. Denn der Schlüssel zur Lösung des Klimaproblems, so Radermacher, seien die ärmsten Länder der Welt.