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Awareness, Appelle und Optimismus: StoKlimaforum in Graz

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Experten diskutierten beim Sto-Klimaforum in Graz über Klimaveränderungen und zeigten Wege auf, wie man ihnen begegnen kann.

Beim dritten StoKlimaforum, das am 26. September 2019 im Grazer "Dom im Berg" über die Bühne ging, sorgten spannende, schöne, aber auch beunruhigende Vorträge von Expertinnen und Experten für mehr Bewusstsein in Sachen Klimawandel. Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in Wien lieferte wissenschaftliche Fakten rund um den Klimawandel und seine Gefahren für die Menschen, ORF-Meteorologe Marcus Wadsak brachten mit beeindruckenden Grafiken Fakten auf den Tisch und konterkarierte damit beliebte Klimavorteile der Marke "Fake und Fiction". Den Abschluss bildeten ebenso schöne wie auch spannende Bilder aus der vom Klimawandel besonders betroffenen Antarktis, die der Forscher, Fotograf und Universum-Filmer Sepp Friedhuber vom ewigen Eis mitbrachte.

"Genug für alle, für immer", fasste DI Walter Wiedenbauer, Geschäftsführer der Sto Ges.m.b.H., bei der Begrüßung die Vision von einer klimaneutralen und nachhaltigen Zukunft zusammen. Das dritte StoKlimaforum in Graz – eines gab es schon in Innsbruck und eines in Linz – brachte hochranginge Experten auf die Bühne, die für mehr Bewusstsein in Sachen Klimawandel sorgten. "Wir wollen die Richtung ändern, die Leute anstecken mit Klimabewusstsein, wir wollen einen Schneeballeffekt auslösen", betonte Claudia Pritz bei ihrer Begrüßung. Nach dem Eröffnungsvideo, das Meilensteine der Sto-Klimaschutzmaßnahmen präsentierte, griff Wiedenbauer die aktuellen Ereignisse rund um die "Fridays for Future" und Klimaaktivistin Greta Thunberg auf. "Perfektes Timing für das dritte StoKlimaforum, würde man meinen", sagte Wiedenbauer. Doch während die Bewegung rund um die Schülerproteste noch jung sei, setze Sto bereits seit 30 Jahren auf ressourcenschonendes Wirtschaften. "Umweltschutz" hieß es damals, heute nennt Sto es "StoClimate" – das Programm umfasst innerbetriebliche Maßnahmen zur CO2-Reduktion ebenso wie eine klimaneutrale Produktlinie.

Helga Kromp-Kolb: "Thunberg hat recht."
Ist die Zukunft tatsächlich in Gefahr, wie Greta Thunberg wirkungsvoll vor der UNO-Vollversammlung mahnte? Ja, sagt Helga Kromp-Kolb, ihres Zeichens Forscherin am Institut für Meteorologie und Klimatologie der Universität für Bodenkultur in Wien, und sie lieferte gleich die Fakten dazu. Sie rollte 130 Jahre Temperaturgeschichte auf und zeigte die Kurve, die ab 1970 nach oben schnellte und weiter steigt. "Wenn wir nichts tun, haben wir 2050 einen Anstieg von 5 °C. Wenn wir uns an das Pariser Abkommen halten, also bis dorthin auf null Emissionen kommen, sind es 2 °C." Selbst das wäre noch zu viel, weiß sie, die Veränderungen wären dramatisch, vom Artensterben über Korallenbleiche bis zum Flächenverlust durch steigende Meeresspiegel, Stürme und Hitze, die Millionen von Menschen in die Flucht treiben würden. Dazu kämen "Kipp-Punkte", Points of no return, bei denen die Temperaturspirale ohne unser Zutun nach oben geht und zum Selbstläufer wird: Nach der Eisschmelze heizt sich der dunklere Boden auf, sodass noch mehr Eis schmilzt. Mehr Hitze bedeutet mehr Wasserdampf, was den Treibhauseffekt weiter verstärkt. Das Ökosystem Erde droht zu kippen. Es gebe aber auch Positives zu berichten, sagt Kromp-Kolb: "Mehr erneuerbare Energien werden genutzt, Batterien werden immer billiger, Öl, Kohle und fossile Verbrenner werden aus den Städten verbannt, und Länder wie China werden immer strenger, auch weil sie mit schlechter Luft zu kämpfen haben." Das würde Druck auf den Automarkt erzeugen, der zu umweltfreundlicheren Fahrzeugen führe. Schweden zeige vor, wie Steuerpolitik das Klima schonen und gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln kann: Hohen CO2-Steuern stellte das skandinavische Land allgemeine Steuersenkungen gegenüber. Der Ausstoß ging um 26% zurück – "und den Menschen geht es gut."

Marcus Wadsak: "Es geht abartig bergauf!"
ORF-Wettermann Marcus Wadsak ist seines Zeichens Meteorologe und Geophysiker und schaffte es, einem komplizierten Thema wie dem Klimawandel unterhaltsam eine Bühne zu bieten. "Das sind nicht mehr Eisbären irgendwo ganz weit weg, es betrifft uns hier und jetzt", mahnte er und zeigte Grafiken und Statistiken, die beunruhigen: 127 Tage über 25 °C im Burgenland, dazu Hitzerekorde von 24 °C im Februar. "Nirgends in Österreich gab es 2018 eine Temperatur unter dem Schnitt." Die letzten fünf Jahre waren gleichzeitig die wärmsten fünf Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass das zufällig eintritt, liege bei unter eins zu einer Milliarde. Wadsak räumte auch mit einigen gängigen Missverständnissen zum Thema auf: Der Treibhauseffekt ist in der Tat durchaus natürlich und wichtig, aber erst durch unser Zutun – "SUVs, Fabriken und furzende Kühe" – geriet er aus dem Ruder. Auch den Klimawandel gab es tatsächlich seit Jahrmillionen, die Temperatur schwankte gewaltig auf der Erde, "aber damals gab es uns noch nicht". Der ORF-Wettermann erinnerte auch an die immense Bedeutung der Medien, die breites Bewusstsein für den Klimawandel schaffen – wenn sie das wollen. Er ist Gründungsmitglied von "Climate without Borders", einer Initiative von TV-Meteorologen aus aller Welt, die über den Klimawandel informieren wollen. Die Folgen – Trockenheit, Überschwemmungen durch plötzliche, übermäßige Regengüsse etc. – kämen bei den Menschen durchaus an. 70.000 Tote in Europa während der Hitzewelle 2003 seien auch alarmierend. Leider würde der Boulevard lieber auf "die wahren Probleme" eingehen: "Klimawandel: Bier wird knapp" und "Benzin wird teuer" titelten die Blätter in seinen Beispielen. Positiv merkte er an, dass sogar die "Kronen Zeitung" auf den "Klima-Zug" aufsprang und titelte: "Es muss etwas passieren."

Sepp Friedhuber: "Das geht unter die Haut."
Die faszinierende Welt der Antarktis mit ihren blau schim-mernden Eisbergen, unglaublichen Sonnenuntergängen und der riesigen Artenvielfalt aus Pinguinen, Walen und Robben ist ein fragiles System, an dem unser Weltklima so direkt hängt wie am Amazonasgebiet. Naturfotograf, Universum-Filmer und Antarktis-Experte Josef Friedhuber nahm mehrmals an Expeditionen ins ewige Eis teil. Als er einmal nach Jahren ins selbe Gebiet zurückkehrte, schockierte ihn ein Umstand ganz besonders: "Die Eisgrenze hatte sich um hunderte Kilometer verschoben, und das in wenigen Jahren." Der Grund: der Klimawandel. Dass das ewige Eis im Süden schmilzt, kann sich der Planet nicht leisten. "90 % des globalen Eises befinden sich dort, 75 % des globalen Süßwassers, und der antarktische Krill, Kleinstgarnelen, die Lebensgrundlage für Wale und Pinguine." Seine fotografische Rundreise führte das Publikum auf die Spuren des britischen Polarforschers Ernest Henry Shackleton, dessen "Endurance"-Expedition Anfang des 20. Jahrhunderts im Untergang des Schiffes gipfelte, das vom Packeis zerdrückt wurde. Eine abenteuerliche Rettungsaktion begann, bei der alle Beteiligten am Leben blieben. Friedhuber zeigte auch Bilder von ehemaligen Walfang-Stationen und vom Horror rund um das Abschlachten und drohende Ausrotten dieser fantastischen Tiere. Einblicke in das Leben der Pinguine begleiteten seinen Vortrag von Anfang an und gaben ihm einen positiven Rahmen, der fast vergessen ließ, wie zerbrechlich diese weiße Welt ist. Am Ende seines Vortrags mahnte Friedhuber: "Der Natur ist der Klimawandel egal. Sie schlägt zurück holt sich immer, was der Mensch ihr genommen hat. Aber für uns ist er ein massives Problem."

Das nächste StoKlimaforum wird im Jänner 2020 in Velden stattfinden. Es sind wieder herausragende Expertinnen und Experten als Speaker vorgesehen.

Kontakt

Sabine Stroitz

Presse

Richtstraße 47
Villach

Tel.: +43 4242 33133-9161
Fax.: +43 4242 34347

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Sto-Klimaforum Graz

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Die Veranstaltungsreihe "Sto-Klimaforum" sorgt für mehr Bewusstsein in Sachen Klimawandel.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb

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Klimawandel - Klimakrise - Klimakatastrophe?

ORF-Meteorologe Marcus Wadsak

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Fakten gegen Fake & Ficition.