
Wir leben heute noch weitgehend in einer Welt des linearen Wirtschaftens: Rohstoffe werden gewonnen, verarbeitet, genutzt und am Ende entsorgt. Dieses Modell hat über Jahrzehnte Wachstum ermöglicht, stößt jedoch zunehmend an seine Grenzen.
Wie die Autoren Lehmacher und Bödecker (2023) in ihrer Publikation „Circular Economy“ beschreiben, sind die Folgen dieser linearen Wirtschaftsweise inzwischen deutlich spürbar: Ressourcen werden knapper, Abfälle nehmen zu, und der Druck auf Umwelt und Gesellschaft wächst.
Die Europäische Kommission definiert Kreislaufwirtschaft deshalb als eine Strategie, die „wirtschaftliches Wachstum ermöglicht, ohne den Ressourcenverbrauch weiter zu erhöhen – und dabei Produktions- und Konsumgewohnheiten grundlegend verändert“.
Quelle: Lehmacher, W., Bödecker, J. (2023). Am Ende: Die Welt des linearen Wirtschaftens. In: Circular Economy. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-41311-8_1

Abfälle vermeiden
Rohstoffe mehrfach nutzen
Materialkreisläufe schließen
Kreislaufwirtschaft bedeutet, Baustoffe und Systeme so zu entwickeln, dass sie nach ihrer Nutzung wiederverwertet oder in neue Produkte überführt werden können. Im Gegensatz zum Wegwerfen steht also das Weiterverwenden – und das in technisch geprüften, nachvollziehbaren Prozessen.
Worin besteht der Unterschied zwischen Kreislaufwirtschaft und Recycling?
Gerade im Bau ist das entscheidend, weil Baustoffe oft lange im Gebäude gebunden sind und Verbundsysteme den Rückbau erschweren. Kreislaufwirtschaft im Bauwesen heißt: Gebäude als „Materiallager“ betrachten und so planen, dass Materialien am Ende geordnet zurück in Nutzung oder Recycling gelangen können.

Systematisches Recycling funktioniert dort am besten wo saubere, sortenreine Verschnittreste in relevanten Mengen anfallen – insbesondere bei Dämmstoffen.
Für unsere Projekte bedeutet das in der Praxis:

Funktionierende Kreislaufwirtschaft benötigt oft unternehmensübergreifende, branchenweite Konzepte.
In Sto-Fassadendämmsystemen kommen in Österreich auch Steinwolle-Dämmplatten zum Einsatz. Für ausgewählte Sto-Steinwolleprodukte ist dabei ein Recyclingweg über ROCKCYCLE vorgesehen – damit wird vor allem sauberer, sortenreiner Zuschnitt zu einem planbaren Stoffstrom. Praktisch läuft das über Rockcycle Austria: ROCKWOOL bietet den Service in Österreich seit Mitte 2020 als gebührenpflichtige Rücknahme an.
Mehr Infos zu Rockcycle Austria
Für bestimmte Sto-Mineralwolleprodukte ist RESULATION als Recyclingweg ausgewiesen. RESULATION ist als Rücknahmesystem so gedacht, dass es auf der Baustelle möglichst einfach bleibt. Organisiert wird das Ganze über ein Online-Bestellsystem nach dem Prinzip „Sack bestellen – Sack befüllen – Sackinhalt recyceln“. Entscheidend ist dabei (wie bei allen Rücknahmesystemen), dass nur saubere, getrennte Materialfraktionen wirklich recyclingfähig sind.
Bei Sto-EPS-Dämmplatten fällt auf der Baustelle typischerweise sauberer Zuschnitt an – und genau darauf ist EPSolutely ausgelegt. Seit 9. September 2024 bietet EPSolutely einen EPS-Abholservice für ganz Österreich an. Gesammelt werden saubere EPS-Dämmplattenverschnitte, Bestellung der Sammelsäcke und Abholung laufen über eine WebApp; nach der Sammlung wird das Material von Projektpartnern zu neuen Dämmplatten verarbeitet.
Seit 1998 wird die gesetzlich vorgeschriebene Rücknahme und Verwertung der in Österreich in Verkehr gebrachten Verpackungen über einen Entsorgungsvertrag mit Interzero Circular Solutions mitgetragen. Der Kreislauf dahinter ist einfach und praxisnah: Restentleerte Sto-Gebinde gelangen zu regionalen, zertifizierten Entsorgungspartnern, werden dort zu sortenreinen Fraktionen (z. B. Kunststoffe, Kartonagen, Metalle) aufbereitet und anschließend stofflich recycelt – häufig fließen die Materialien wieder in neue Verpackungen zurück.
Das System ist so aufgebaut, dass restentleerte Gebinde über geeignete/zugelassene Entsorgungswege gesammelt, in Anlagen zu Fraktionen wie Kunststoff, Karton oder Metall sortiert und anschließend stofflich recycelt werden – somit können aus diesen sekundären Rohstoffen wieder neue Verpackungen hergestellt werden.
Am besten funktionieren Kreisläufe dort, wo saubere und sortenreine Verschnitte entstehen (typisch beim Zuschneiden von Dämmstoffen). Sobald Materialien verschmutzt oder vermischt sind, wird Recycling deutlich aufwendiger oder unmöglich.
Verschnitt aus der Verarbeitung ist meist „sauberer“ und damit deutlich leichter zu sammeln und zu recyceln. Rückbau-/Sanierungsmaterial ist häufiger vermischt, beschichtet oder mit anderen Schichten verbunden – hier braucht es Trennverfahren und selektiven Rückbau, damit überhaupt recyclingfähige Fraktionen entstehen.
„Sortenrein“ heißt: eine Materialfraktion ohne Fremdstoffe. Beim Dämmstoffrecycling bedeutet das z. B. keine Anhaftungen von Putz, Kleber, Montageschaum, Folien oder Mischungen aus unterschiedlichen Dämmstoffarten – nur dann können Rücknahme- und Recyclingwege zuverlässig greifen.
„Restentleert“ bedeutet, dass Verpackungen ohne verbleibende Produktreste in den Entsorgungsweg gehen. Das ist entscheidend, weil so eine saubere Sortierung und stoffliche Verwertung typischerweise erst möglich wird – und weil es rechtlich (je nach Verpackungsart/Anfallstelle) die Grundlage für die richtige Entsorgungszuordnung ist.