Eine heitere, lebendige Fassadengestaltung in Verbindung mit massivem Brandschutz? Für die Architektin Sabine Walther ist das kein Widerspruch. In der Unterlauengasse in Jena hat sie eine Neubaufassade geschaffen, die trotz einer Reihe von Auflagen und Anforderungen eine eigene, besondere Ästhetik ausstrahlt. Runde Gebäudekanten und gewellte Fassadenelemente ziehen sich über das gesamte Gebäude.

„Die Welle entstand aus der Idee heraus, die Vorhänge hinter den Fenstern als Form aufzugreifen und zu Fensterbändern zu verbinden.“
Sabine Walther hat sich am Architekturstil der Neuen Sachlichkeit orientiert – gekoppelt mit den Möglichkeiten, die moderne Baustoffe bieten. Die Wellen wurden nach einem rapportfähigen Muster der Architektin in das nichtbrennbare mineralische Material Verolith® gefräst, auf der Baustelle in das Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) eingefügt und farblich beschichtet.

Hotelbetreiberin Michaela Jahn, die als Bauherrin mit diesem Projekt ihre Übernachtungskapazität verdoppelt hat, freut sich, dass Ihr Neubau mit dem Jenaer Fassadenpreis ausgezeichnet wurde. Sicherlich ist das auch als Lob für die gelungene Zusammenarbeit mit Stadtarchitekt Matthias Lerm zu verstehen.
Denn neben dem Brandschutz forderten unter anderem auch Auflagen des Denkmalschutzes die Fassadenplaner heraus: „Wir befinden uns hier in unmittelbarer Nachbarschaft zu Jenas Denkmallandschaft, die über Jahrhunderte gewachsen ist“, erklärt Architektin Walther. Die Fassadengliederung und -gestaltung sollte sich bestmöglich in das Stadtbild einfügen. Zudem befindet sich der Neubau in der Unterlauengasse an einem städtebaulich sensiblen Punkt. Viele Besucher richten von hier aus einen ersten Blick auf die Innenstadt.


Architektin: Sabine Walther, Jena, DE; Bauherrin: Unternehmen Zwei GmbH & Co. KG, Jena, DE; Ausführung: Neubauer Maler & Fußboden GmbH, Bad Berka, DE. Systeme: Wärmedämm-Verbundsysteme StoTherm Classic® S1 (Brandschutzwand) und StoTherm Classic® (restliche Fassade), vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem StoVentec R (abgehängte Decke im Bereich der Durchfahrt).





Bei der Decke der Durchfahrt hatte Sabine Walther den Anspruch, die Putzstruktur der Fassade optisch weiterzuführen. "Wir mussten ein System finden, das den Putz trägt", sagt sie. Eine zweite Herausforderung war, einen Installationsraum von 40 Zentimetern in der Decke zu überbrücken.
Die Lösung: ein horizontal angebrachtes hinterlüftetes Fassadensystem. Wie der Zusammenschluss der beiden Systeme (WDVS und VHF) gelang, erfahren Sie im Download-PDF.